Kategorien
Eva-Maria-Popp Im Gespräch Interviews & Stories Starke Frauen & Starke Männer

Wohlfühlen im Alter

die Weltmeisterin im Eiskunstlauf Christine Stüber-Errath erzählt wie es geht

Eva-Maria Popp: Herzlichen Dank, liebe Frau Stüber-Errath, dass Sie sich Zeit nehmen für dieses Interview. Für meine Leserinnen und Leser ist es sicher interessant zu erfahren, was Sie als Weltmeisterin, Europameisterin und spätere Fernsehmoderatorin, Buchautorin und jetzt Schauspielerin zu berichten haben.

Christine Stüber-Errath: Ich danke für dieses Gespräch. Ich berichte gerne aus meinem Leben und liebe es, meine Erfahrungen aus einer abwechslungsreichen und spannenden Zeit weiterzugeben. Ich bin nun ja selbst schon 60 Jahre alt und habe mich noch nie so wohl gefühlt, wie jetzt. Früher bin ich immer an meine Grenzen gegangen. Ich war es einfach gewohnt, dass nur höher, weiter, schneller zählt. Ob als Spitzensportlerin oder als Fernsehmoderatorin – ich habe alles mit großer Leidenschaft gemacht bis zu meinem Burn Out.

Eva-Maria Popp: Haben Sie bemerkt, dass ihr Arbeitstempo und die Intensität, mit der Sie Ihre Arbeit betrieben haben eine gefährliche Gradwanderung war?

Christine Stüber-Errath: Nein, das habe ich nicht wahrgenommen. Ich habe einfach getan und gemacht, so wie ich es gelernt habe. Mit Volldampf voraus. Bis es zu spät war.

Eva-Maria Popp: Was hat Ihnen aus dieser Krise geholfen?

Christine Stüber-Errath: Mein Mann war mein wichtigster Unterstützer. Ich habe das große Glück, dass ich im Alter meinen Mann, die Liebe meines Lebens, kennengelernt habe. Er hat mich aus dem Tief geholt. Allerdings musste ich mich mit mir selbst beschäftigen, um mich zu finden und neu zu erfinden. Die Muster der Kindheit waren sehr stark ausgeprägt. Vor allem musste ich das „NEIN SAGEN“ lernen.

Ich kann nur jedem raten, die Probleme auf Zettel zu schreiben und dann loszulassen, indem man diese Zettel verbrennt. Aufschreiben – loslassen und hinein in die Flammen. Außerdem ist es sehr wichtig, immer wieder über seinen Tellerrand hinauszudenken und hinausz schauen.

Eva-Maria Popp: Ich habe gesehen, dass Sie ein Buch geschrieben haben. „Meine erste 6,0“ lautet der Titel. Was steckt hinter diesem Titel.

Christine Stüber-Errath: Eine 6,0 war zu meiner aktiven Zeit als Eiskunstläuferin die höchste Note und Auszeichnung, die man erhalten konnte. Obwohl ich jahrelang als Spitzensportlerin in dieser Sportart aktiv war und sowohl den Weltmeistertitel, als auch 3 mal den Europameistertitel gewonnen habe, blieb mir die Höchstnote von 6,0 während meiner Sportlerkarriere verwehrt. Danach jedoch, vor allem nach meinem Burn Out hat mir das Leben diese Höchstnote zum 60. Geburtstag geschenkt. Ich fühle mich in meinem Alter sehr glücklich.

Eva-Maria Popp: Was bedeutet für Sie Älterwerden?

Christine Stüber-Errath: Damit habe ich insofern ein Problem, dass ich im Kopf noch wie Zwanzig bin, aber natürlich diesen Ansprüchen nicht gerecht werden kann.Ich bin oft hin-und hergerissen zwischen dem biologischen Alter und dem Fühlalter. Aber das treibt mich an. Man sollte sich seine Jugendlichkeit erhalten und vor allem neugierig bleiben, am Leben teilnehmen. Ausprobieren heißt die Devise! Das hält mich jung. Ich bin oft wie ein Kind!

Eva-Maria Popp: Lassen Sie uns noch einmal zurückgehen in die Kindheit. Wie sind Sie Eiskunstläuferin geworden?

Christine Stüber-Errath: Mit einer Freundin bin ich zum Rollschuhlaufen gegangen. Dort hat mich eine Übungsleiterin entdeckt, mit den Worten: „Na, die Kleene Errath nehmen wir mit aufs Eis. Die ist zwar pummelig, aber ulkig.“ Das hat irgendwie mein Leben geprägt, sowohl im Sport, als auch privat. Trotz einiger Gewichtsprobleme, habe ich nie meinen Humor verloren.

Eva-Maria Popp: Was bedeutet für Sie Sport?

Christine Stüber-Errath: Vor 20 Jahre hatte ich meine Schlittschuhe an den Nagel gehängt und war viel unterwegs als Fernsehjournalistin. Seit 6 Jahren gehe ich aber wieder jede Woche für eine Stunde auf die Eisbahn. Das tut richtig gut. Und den Tag beginne ich mit 20 Minuten Gymnastik. Das bringt den Kreislauf in Schwung. Diese Regelmäßigkeit, hat meine Fitness enorm verbessert. Und beim Eislaufen muss man ja auch den Kopf anstrengen, sich überlegen, wie die Schritte funktionieren. Das ist wie beim Turniertanzen: Kopftraining! Im Übrigen gibt es einen neuen Trend – Adult-Skating. Menschen, auch Senioren, die das Eislaufen vorher noch nie ausprobiert haben, können das unter Anleitung im Alter noch erlernen und Hobby-Eisläufer werden.

Man muss sich einen Sport suchen, der Spaß macht. Dann lässt man/ frau auch nicht locker. Ich betreibe nur Sportarten, die mich nicht zu sehr anstrengen und die mir Freude bereiten.

Eva-Maria Popp: Seit kurzem sind Sie auch unter die Schauspielerinnen gegangen. Was hat es damit auf sich?

Christine Stüber-Errath: Ich habe für den neuen Film „Die Anfängerin“ mit 60 Jahren noch einmal die Schlittschuhe angezogen. Der Film erzählt die Geschichte einer Frau Ende Fünfzig, die im Leben erstarrt ist und durch das Eislaufen neue Lebensfreude erfährt und sozusagen auf dem Eis auftaut. Sie erfüllt sich ihren Kindheitstraum. Ich spiele in einer spannenden Nebenrolle mich selbst.

Ich finde, das ist eine tolle Geschichte, die sehr zu mir passt – als Eiskunstläuferin und als mutige Frau. Dieser Film und seine Story machen anderen Menschen Mut, sich etwas zuzutrauen. Viele haben Wünsche und Träume und setzten sie jedoch nie um. Ich habe gelernt, dass man/ frau alles schaffen kann, wenn man es nur will.

Eva-Maria Popp: Macht es Ihnen Freude, zu schauspielern?

Christine Stüber-Errath: Die Dreharbeiten waren eine ganz neue Erfahrung für mich. Ich bin voller Hochachtung über die Leistungen der Schauspieler. Ich selbst bleibe aber doch eine Sportlerin.

Eva-Maria Popp: Haben Sie eine Botschaft an die Menschen?

Christine Stüber-Errath: Ja, die habe ich. Sicher kennen Sie das Hummelprinzip. Dort wird gefragt, ob eine Hummel fliegen kann? Die Antwort lautet: „Nein, physikalisch gesehen kann sie das nicht, weil sie zu schwer ist. Da sie diese Tatsache nicht kennt, fliegt sie munter durch die Welt.“